Schon vor einigen Jahren begann Marjaana Kella sich dem Thema >Porträt< zuzuwenden. Ihre >Reversed Portraits<, besitzen eine präzise ausgearbeitete Licht- und Farbtstimmung und erinnern damit an holländische Malerei des 17. Jahrhunderts, die Stillleben von ähnlicher Virtuosität hervorbrachte. Es ist seltsam, aber die Bilder dieser Serie verhalten sich tatsächlich eher wie Stillleben, denn wie Porträts. Bewusst ausgeschlossen ist jedenfalls all das, was ein Porträt normalerweise ausmacht. Das Gesicht ist abgewendet, also werden wir niemals mit unseren Blicken das erfassen, womit wir das Bild eines Menschen ausmachen: Das Gesicht und vor allem die Augen - als der so genannte Spiegel der Seele. Umso mehr dieser Verlust beim Anblick schließlich schmerzt, konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die wenigen, sichtbaren Details, die nun zum Leben erwachen. Das Abwesende scheint sich plötzlich voll und ganz in ihnen zu verkörpern. Haare und Textilien werden zu beunruhigend hyperrealen Indizien von menschlicher Existenz: Eine ziemlich paradoxe und ungewöhnliche Interpretation einer >Natura morte<. Die Fotografien von Marjaana Kella sind immer auch ein Fingerzeig auf das, was nicht abgebildet werden kann. Umso perfekter werden dagegen die äußeren Gegebenheiten erfasst. Auch bei der Serie >Hypnosis< dient die Komposition mit ihrer starken Materialität von Detail, Pose und Farbigkeit dazu, das zu kompensieren, was vom Foto nicht wiedergegeben wird. Das Antlitz der Personen ist wohl erkennbar, aber das eigentliche Bild bleibt - wie die Augen - verschlossen. Als Künstlerin plädiert Marjaana Kella für eine Fotografie, die nicht daran gebunden ist, >Realität< wiederzugeben. Entgegen dieser Erwartungshaltung betont sie deshalb in ihren Arbeiten bewusst immer wieder die Grenzen des Mediums. Eine Fotografie soll ihrer Meinung nach vielmehr ihre eigene Realität hervorbringen und damit als >Kunst-Werk< unser Verständnis von Welt erhellen. Marjaana Kella wurde 1961 in Finnland geboren. Sie studierte von 1987 bis 1993 an der Hochschule für Kunst und Design in Helsinki, wo sie heute noch lebt und arbeitet. Ihr Werk wurde vor kurzem im Nederlands Foto Instituut und im BildMuseet in Schweden vorgestellt und erregte großes Aussehen. Die verkehrten Porträts sind noch bis 31.10.2002 in einer Ausstellung in der Galerie Poller, Frankfurt (www.galerie-poller.com) zu sehen. Ein Katalog zu den vorgestellten Arbeiten erschien im Verlag Van Zoetendaal Gallery, Amsterdam (www.vanzoetendaal.nl).
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