Was hinter dem eigenen
Rücken geschieht, ist für alle Menschen ein Geheimnis. Und ohne die Möglichkeit,
Augenkontakt aufzunehmen und damit fremde Blicke abzuwehren oder ihnen zu
begegnen, wirkt ein Mensch erstaunlich hilflos. Diese Erkenntnis können
zumindest Betrachter der Fotoarbeiten von Marjaana Kella gewinnen. Die finnische
Fotografin hat für eine Fotoserie die Hinterköpfe von Menschen abgelichtet.
„Reversed Portraits" heißt die Ausstellung, die zurzeit in der Galerie Poller zu
sehen ist. „Obwohl die Fotografien nur wenige Details vermitteln, haben sie eine große Aussagekraft", findet die Kuratorin der Galerie, Ewa Nowik. Im „Nederlands Foto Institut" in Rotterdam hat Frau Nowik eine Ausstellung von Marjaana Kella besucht und war sofort begeistert. „Sie ist eine der besten finnischen Foto-Künstlerinnen und auch international bereits anerkannt", schwärmt die Kuratorin. Die Galerie Poller ist besonders stolz darauf, die Arbeiten der finnischen Fotografin präsentieren zu können, weil Marjaana Kella ihre Bilder bevorzugt in Museen und nur ganz selten in Galerien zeigt. Ewa Nowik hat jedoch den Zuschlag bekommen.„Reversed Portraits" der finnischen Künstlerin ist in diesem Jahr bereits die dritte Ausstellung in der Brückenstraße, die sich mit Fotografie beschäftigt. Für die Galerie Poller, die seit 1986 in Sachsenhausen beheimatet ist, bedeutet das eine Neuausrichtung des eigenen Programms. In den vergangenen Jahren wurden dort nämlich in erster Linie abstrakte Gemälde und Skulpturen ausgestellt. Erst in jüngster Vergangenheit hat die Galerie mit den Richtungen Fotografie und Neue Medien ihren Schwerpunkt neu gesetzt. „Das ist ein sehr interessantes Gebiet und mittlerweile ist auch die Akzeptanz des Marktes gegenüber dieser Kunstform größer geworden", begründet Horst Poller die Neuausrichtung. Während Horst Poller in der Galerie für den finanziellen und organisatorischen Sektor zuständig ist, liegt das Galerieprogramm ganz in den Händen von Ewa Nowik. Bei der Auswahl der Künstler richtet sich Frau Nowik weniger nach dem, was in anderen Galerien ausgestellt wird, sondern lässt sich vielmehr von ihren eigenen Interessen leiten: Vor allem die Künstler aus dem Norden Europas haben es ihr angetan. „In Skandinavien ist das Licht ganz anders. Außerdem lassen sich die Künstler von der Natur und der menschenleeren Weite inspirieren." In Deutschland sei zwar beispielsweise die finnische Fotografie noch nicht sehr bekannt, international genieße sie allerdings bereits große Anerkennung, wie eben eine ihrer Vertreterinnen Marjaana Kella. Neben Fotoarbeiten aus dem hohen Norden widmet sich die Galerie Poller natürlich auch deutschen Künstlern. So wird es im November eine weitere Fotografie-Ausstellung mit Bildern von Götz Diergarten geben. Seine Arbeiten zeigen menschenleere Architektur, Fassaden und Häuser mit interessanter Form und Farbgebung. Doch zunächst ist noch, die Ausstellung „Reversed Portraits" bis zum Donnerstag, 31. Oktober, in der Galerie Poller, Brückenstraße 9 bis 11, zu sehen. Die Galerie ist montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es im Internet unter mail@galerie-poller.com und unter der Rufnummer 62 40 42.
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