Kindheitserinnerungen sind wieder da. An Seifenblasen, die nur allzu oft - kaum hatte man sie mit einem zarten Pusten durchs kleine Plastikrund zu Leben erweckt - schon wieder zerplatzten und einem als letzten Gruß kleine feuchte Perlen ins Gesicht spritzen. Die Erinnerungen sind da, geht man entlang der klein- und großformatigen, in Pastellfarben getauchten Fotogramme des gebürtigen New Yorkers David Fried. Zugleich denkt man unwillkürlich an Zellen, die sich teilen, manche gleich mehrfach. An wuchernde Zellen. David Fried wehrt sich vehement gegen eine Betrachtung seiner Arbeiten, die die Technik in den Vordergrund stellt. Angaben zu seinem künstlerischen Vorgehen fallen dementsprechend karg aus, lassen Fragen offen. Nur eins verrät er doch: Er hat ohne Kamera gearbeitet, ohne Linse. Hat Seife, Wasser und Luft auf farbigem, lichtempfindlichen Film miteinander reagieren lassen und im Moment der Blasenbildung das Ganze schließlich belichtet. Jedes Blasengebilde hat seine individuelle Ausformung, David Fried selbst vergleicht die Fotogramme gar mit „Porträts". Sie sprechen, so Fried, „von der Kontrolle über das Leben", und auch die Problematik des Klonens, also der künstlichen Reproduzierbarkeit von Lebewesen, greife er mit ihnen auf. In Gänze nachvollziehbar ist dies nur schwerlich. Zeigen sich dem Betrachter doch in erster Linie ästhetisch zugegebenermaßen sehr ansprechende Arbeiten, deren Reiz in Farb- und Formgebung bestehen. Dies wird besonders am Beispiel der kleinformatigen, zu Zweier-, Dreier- und Vierergruppen zusammengestellten, über eine Galerienwand verteilten Arbeiten deutlich. Fried lotet - ganz unverblümt - unterschiedliche ästhetische Wirkungen aus. Hervorgerufen durch das Kombinationsspiel mit zwei Farbgebungen und diversen Blasenformen. Das Video, das wie die Fotogramme, „In bed with Lucy and Dolly" betitelt ist, und in dem eine Barbiepuppe -(Eva, der Mythos), ein Plastikaffe (Lucy, die Mutter) und ein Plastikschaf (Dolly, „the missing link") ein schräg-bizarres, stimmenverzerrtes Gespräch - unter anderem über das Klonen - führen, soll zwar Bezug nehmen auf den wissenschaftskritischen Überbau der Fotogramme, allerdings so ganz überzeugen kann Fried nicht. Erzählt der junge Künstler von früheren Arbeiten, wird deutlich, dass er eine gravierende Entwicklung hinsichtlich seiner künstlerischen Herangehensweise durchlebt hat. In welcher Art und Weise Menschen in Beziehung oder Nicht-Beziehung zueinander treten, hat ihn von jeher interessiert. Seine langjährige Heimat New York - Fried zog erst Ende der achtziger Jahre nach Düsseldorf - hat ihn geprägt. Die Menschenmassen, die schnellen Bewegungen", die Schnelllebigkeit überhaupt, die „plötzlichen Wahrheiten". „Mich formte das Leben in dieser sehr menschengeprägten Mega-City", sagt Fried. In seiner Malerei, in Fotoarbeiten und Arbeiten in Mischtechnik verarbeitete Fried jene Eindrücke. „Es waren wirklich sehr perverse Bilder", sagt er heute. Pervers in der Weise, dass Fried das oberflächliche, unverbindliche Aneinandervorbeileben, auch grausame Ignoranz auf drastische Weise thematisierte. Doch seine frühen Arbeiten erschienen ihm mit der Zeit „zu homozentrisch", zu eindeutig. Er strebte nach Vereinfachung. Wollte den Menschen nicht mehr mit seinen Arbeiten „auf die Köpfe hämmern". Sein Werk sollte jedem zugänglich sein, Empfindungen, Assoziationen wecken. Unter diesem Aspekt muss man auch seine aufwändig geschaffenen S.O.S. - Self Organizing Still-Lifes betrachten, von denen eines auf dem Parkettboden der Galerie Poller ruht. Auf einem sandfarben umrandeten Natursteinfeld, dass an eine sich zweiteilende Zelle erinnert, rollen drei schwarze Kugeln, ebenfalls aus Sandstein. Die Kugeln, in deren Inneres Mied fein aufeinander abgestimmte Magneten eingebaut hat, bewegen sich, sobald ein akustisches Signal ertönt. Sie stoßen zusammen, weichen sich aus, reagieren aufeinander. Eine ruhige, unspektakuläre Aktion, der auf ganz eigene Art so etwas wie Schönheit innewohnt. „Viele Menschen denken bei Magnetismus nur an Schwarz und Weiß, doch er kann einen Regenbogen von Reaktionen ermöglichen", sagt Fried. Weil die interaktiven S.O.S.-Skulpturen von Außenreizen abhängig sind, den „offenen Dialog mit dem Publikum" brauchen, hat Fried sie bereits mehrfach im öffentlichen Raum präsentiert. Teils reagieren sie auch auf Bewegung. Damit Passanten zu Zeiten, in denen die Galerie Poller geschlossen ist, trotzdem sich bewegende Kugeln sehen können, hat Fried einen ausgeklügelten Mechanismus eingebaut, der eine Stimulation auch ohne Außenreiz ermöglicht. Die Ausstellung „David Fried. Fotografie, Video, Interaktive Skulptur" in der Galerie Poller, Brückenstraße 9-11, ist bis 31. August geöffnet. Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr , und von 14 bis 18.30 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr.
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