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Sie heissen
„Cosmos“, „Delphinium“, „Geranium“, „Catananche Caerulea“, oder „Rudbeckia“
– die Namen der zarten Zöglinge. Aus Indien, Afrika oder
Europa stammen ursprünglich die Pflanzen und Blumen, die Jasper Wiedeman
(*1963) in seinem Garten in der Nähe von Amsterdam anpflanzt. Er steht früh
morgens auf, wartet und beobachtet sie Stunden lang. Ein ausgefallenes
Hobby? Im Gegenteil – Jasper Wiedeman findet hier die Motive für seine
Fotoarbeiten.
Der holländische Fotograf befindet sich mit seinen Motiven unweigerlich in
Verwandtschaft zur Niederländischen Stillleben-Malerei des 17. Jahrhunderts.
Getrieben von wissenschaftlichem Interesse wollte sie Flora und Fauna
Detailgetreu dokumentieren. Wiedeman leugnet nicht die symbolische
Bedeutung, mit denen Blumendarstellungen auf Grund dieser kunsthistorischen
Tradition belegt sind. In seiner Arbeit erhält diese Seite der
Interpretation jedoch wenig Bedeutung.
Viel eher erkennt er in seiner Arbeit eine erotische Komponente und rückt
die ästhetische Sensibilität der Darstellung in den Vordergrund. Er suche
die „Seele in seinen Objekten“, so Wiedeman. Durch die starke Vergrösserung
der pflanzlichen Details und einen offenen, monochromen Hintergrund bekommen
sie die Qualität eines Porträts. Frei von einem Zuviel an Interpretation,
bleibt der Blick offen für die zerbrechliche Plastizität und die Ornamentik
der Formen.
Die Frankfurter Galerie Poller, die auf internationale zeitgenössische
Fotografie spezialisiert ist, präsentiert seit dem 30. Januar die „Garden
Series“ des Fotokünstlers. Wiedeman ist mit seinen Fotoserien in Museen und
Sammlungen Welt weit vertreten und zeigt sie in Ausstellungen unter anderem
in Deutsch-land, Frankreich und Italien.
Im Unterschied zu der voran gegangenen Serie, in der seine Modelle –
Herbstlaub aus dem eigenen Garten – buchstäblich vor seine Füsse fielen, ist
in den hier gezeigten Arbeiten nicht der Aspekt der Vergänglichkeit
entscheidend. Die Blumen stehen am Beginn ihrer Entwicklung, sie öffnen sich
und fangen an zu blühen. Für Jasper Wiedeman ist das schlussendliche Foto
das Ergebnis dieses langsamen, langen Prozesses. Ein weiterer Schritt in
seiner Arbeit wird für Jasper Wiedeman der Blick auf das Wachsen und das
sich Verändern eines ganzen Blumenbeetes sein, das er mit seiner Kamera
festhalten möchte.
Illustration
Jasper Wiedeman,
catananche caerulea, rudbeckia, delphinium, geranium - b, cosmos, 2003, lambda print on diasec,
edition of 6, 80 x 60 cm
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