01.03.2004
a&a - Die Zeitung Kunst-Kultur-Design - 01.03.2004 - 3/2004    Seite 22
Zarte Blumen der Fotografie - Auf der Suche nach der stillen Seele
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Sie heissen „Cosmos“, „Delphinium“, „Geranium“, „Catananche Caerulea“, oder „Rudbeckia“ – die Namen der zarten Zöglinge. Aus Indien, Afrika oder
Europa stammen ursprünglich die Pflanzen und Blumen, die Jasper Wiedeman (*1963) in seinem Garten in der Nähe von Amsterdam anpflanzt. Er steht früh morgens auf, wartet und beobachtet sie Stunden lang. Ein ausgefallenes Hobby? Im Gegenteil – Jasper Wiedeman findet hier die Motive für seine Fotoarbeiten.
Der holländische Fotograf befindet sich mit seinen Motiven unweigerlich in Verwandtschaft zur Niederländischen Stillleben-Malerei des 17. Jahrhunderts. Getrieben von wissenschaftlichem Interesse wollte sie Flora und Fauna Detailgetreu dokumentieren. Wiedeman leugnet nicht die symbolische Bedeutung, mit denen Blumendarstellungen auf Grund dieser kunsthistorischen Tradition belegt sind. In seiner Arbeit erhält diese Seite der Interpretation jedoch wenig Bedeutung.
Viel eher erkennt er in seiner Arbeit eine erotische Komponente und rückt die ästhetische Sensibilität der Darstellung in den Vordergrund. Er suche die „Seele in seinen Objekten“, so Wiedeman. Durch die starke Vergrösserung der pflanzlichen Details und einen offenen, monochromen Hintergrund bekommen sie die Qualität eines Porträts. Frei von einem Zuviel an Interpretation, bleibt der Blick offen für die zerbrechliche Plastizität und die Ornamentik der Formen.
Die Frankfurter Galerie Poller, die auf internationale zeitgenössische Fotografie spezialisiert ist, präsentiert seit dem 30. Januar die „Garden Series“ des Fotokünstlers. Wiedeman ist mit seinen Fotoserien in Museen und Sammlungen Welt weit vertreten und zeigt sie in Ausstellungen unter anderem in Deutsch-land, Frankreich und Italien.
Im Unterschied zu der voran gegangenen Serie, in der seine Modelle – Herbstlaub aus dem eigenen Garten – buchstäblich vor seine Füsse fielen, ist in den hier gezeigten Arbeiten nicht der Aspekt der Vergänglichkeit entscheidend. Die Blumen stehen am Beginn ihrer Entwicklung, sie öffnen sich und fangen an zu blühen. Für Jasper Wiedeman ist das schlussendliche Foto das Ergebnis dieses langsamen, langen Prozesses. Ein weiterer Schritt in seiner Arbeit wird für Jasper Wiedeman der Blick auf das Wachsen und das sich Verändern eines ganzen Blumenbeetes sein, das er mit seiner Kamera festhalten möchte.

Illustration
Jasper Wiedeman, catananche caerulea, rudbeckia, delphinium, geranium - b, cosmos, 2003, lambda print on diasec, edition of 6, 80 x 60 cm

 

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