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Wenn jemand
wie der 40-jährige Amsterdamer Fotograf Jasper Wiedeman Blumen zu seinem
fast ausschließlichen Thema macht, steht er - ob er will oder nicht - in
einem kunst- und fotohistorischen Kontext. Aber gerade durch den Vergleich
wird die Eigenart Wiedemans deutlich, dessen Garden Series jetzt in der
Frankfurter Galerie Poller ausgestellt werden.
Maler des 17. Jahrhunderts waren bei ihren Blumen- und Pflanzenbildern von
wissenschaftlichem Interesse angetrieben., Fotografen des 20. Jahrhunderts
eher von ästhetischen Überlegungen. Karl Blossfeldt zum Beispiel hat sich in
den zwanziger Jahren in der Zeit der Neuen Sachlichkeit für die formale
Struktur der Pflanzen interessiert, die in seinen Aufnahmen oft Skulpturen
ähneln. Die Blumenstillleben von Robert Mapplethorpe as den Achtziger Jahren
dagegen faszinieren durch ihren Farbrausch. Nichts davon bei Wiedeman,
liebevoll nähert er sich jeder einzelnen Blume, die für ihn so etwas wie ein
Individuum darstellt.
Wiedeman ist selbst Gärtner, er hat die Objekte seiner fotografischen
Leidenschart, die unter anderem aus Japan und Mexiko stammen, selbst
angepflanzt und gezüchtet. In seinen Bildern will er ihre Schönheit zeigen,
er porträtiert mit einer Plattenkamera jeweils eine einzelne Blume vor einem
neutralen Hintergrund. Durch die Vergrößerung auf 80 mal 60 Zentimeter wird
auch das winzigste Detail sichtbar, das wir in der Natur selbst mit bloßem
Auge kaum erkennen würden: die Verschlingungen der Fäden bei der
Kugeldistel, oder jedes Härchen, jede Ader auf den Blütenblättern des
Rittersporns. Wiedemans Fotografien bleiben in einer schönen Ambivalenz,
einerseits wirken sie durch die Stilisierung fast abstrakt, andererseits
aber höchst lebendig, denn die Blumen stehen in voller Blüte.
Illustration
Wie gemalt: eine Wiedeman Blume.
Jasper Wiedeman, delphinium, 2003, lambda print on diasec,
edition of 6, 80 x 60 cm
| Text by Wilhelm Roth |
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