06.2.2004
Frankfurter Rundschau (Kultur Rhein-Main)  Page 19
Schönheit zeigen - Jasper Wiedemans Blumen in der Frankfurter Galerie Poller
by Wilhelm Roth
close     

Wenn jemand wie der 40-jährige Amsterdamer Fotograf Jasper Wiedeman Blumen zu seinem fast ausschließlichen Thema macht, steht er - ob er will oder nicht - in einem kunst- und fotohistorischen Kontext. Aber gerade durch den Vergleich wird die Eigenart Wiedemans deutlich, dessen Garden Series jetzt in der Frankfurter Galerie Poller ausgestellt werden.
Maler des 17. Jahrhunderts waren bei ihren Blumen- und Pflanzenbildern von wissenschaftlichem Interesse angetrieben., Fotografen des 20. Jahrhunderts eher von ästhetischen Überlegungen. Karl Blossfeldt zum Beispiel hat sich in den zwanziger Jahren in der Zeit der Neuen Sachlichkeit für die formale Struktur der Pflanzen interessiert, die in seinen Aufnahmen oft Skulpturen ähneln. Die Blumenstillleben von Robert Mapplethorpe as den Achtziger Jahren dagegen faszinieren durch ihren Farbrausch. Nichts davon bei Wiedeman, liebevoll nähert er sich jeder einzelnen Blume, die für ihn so etwas wie ein Individuum darstellt.
Wiedeman ist selbst Gärtner, er hat die Objekte seiner fotografischen Leidenschart, die unter anderem aus Japan und Mexiko stammen, selbst angepflanzt und gezüchtet. In seinen Bildern will er ihre Schönheit zeigen, er porträtiert mit einer Plattenkamera jeweils eine einzelne Blume vor einem neutralen Hintergrund. Durch die Vergrößerung auf 80 mal 60 Zentimeter wird auch das winzigste Detail sichtbar, das wir in der Natur selbst mit bloßem Auge kaum erkennen würden: die Verschlingungen der Fäden bei der Kugeldistel, oder jedes Härchen, jede Ader auf den Blütenblättern des Rittersporns. Wiedemans Fotografien bleiben in einer schönen Ambivalenz, einerseits wirken sie durch die Stilisierung fast abstrakt, andererseits aber höchst lebendig, denn die Blumen stehen in voller Blüte.

Illustration
Wie gemalt: eine Wiedeman Blume.
Jasper Wiedeman, delphinium, 2003, lambda print on d
iasec, edition of 6, 80 x 60 cm

Text by Wilhelm Roth

close