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Eigentlich müßte man
ihnen Namen geben. Also nicht schlicht "Salvia", "Rudbeckia" oder "Geranium",
wie Jasper Wiedeman seine Arbeiten nach der lateinisch exakten Benennung
betitelt. Denn dem 1963 in Amsterdam geborenen Fotografen geht es in seinem
Zyklus "Garden Series", der derzeit in der Frankfurter Galerie Poller (Brükkenstraße
9-11), zu sehen ist, nicht um die wissenschaftliche Erfassung und exakte
Dokumentation, wie sie noch für die Malerei des 17. Jahrhunderts im
Vordergrund gestanden haben mag. Seine Bilder von einzelnen, gerade eben
aufbrechenden Blüten, von verlockend sich streckenden Staubgefäßen in tiefem
Rot, von scheinbar keck die Hälse reckenden, frech den Rachen aufreißenden
Blumen stehen nicht für die Gattung, sondern, als genau beobachtete, ihr
Motiv abtastende Porträts, für gerade diese und keine andere Pflanze.
Daran läßt die Inszenierung keinen Zweifel. Mit der Großformatkamera
aufgenommen, fotografiert Wiedeman seine "Modelle" stets vor neutralem
Hintergrund im Studio. Nichts ist hier beliebig, und fast möchte man von
einer intimen persönlichen Beziehung des Künstlers zu seinen Motiven
sprechen, zieht und pflanzt und beobachtet er die meist aus Asien und Europa
stammenden Pflanzen doch im eigenen Garten, bis er den entscheidenden Moment
für gekommen hält: jenen Augenblick, in dem das zarte, die Blüte; umhüllende
Häutchen bricht, das erste leuchtende Blütenblatt der „Catananche Caerulea"
dem Betrachter gleichsam die Zunge berausstreckt oder aber den Blick auf die
voll entfaltete, glühende Pracht im Innern freigibt.
Daß Wiedeman die "Seele in seinen Objekten" suche, wie er sagt, mag man für
aussichtslos halten, nicht einzulösen mit den Mitteln der Fotografie.
Entscheidender ist die Suche selbst, der aufmerksame, konzentrierte Blick,
der noch feinste Farbadern und malerisch zu nennende Nuancierungen
detailgenau festhält. Und wer will, mag hier etwas ahnen vom Wesen hinter
und in den Dingen. Kaum etwas aber deutet darauf hin, daß in jenem Moment
des Erblühen unweigerlich das Ende sich ankündigt.
| Text by
Christoph Schütte |
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