9./10.06.2004
Frankfurter Rundschau
Feuilleton page 20
Während der Kitschblüte
Wie auf dem
Römerberg? - Philippe Terrier-Hermanns vertrackte Fotografien in der
Galerie Poller |
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Was ist
typisch japanisch? Welche Orte kennzeichnen das heutige Japan? Ein Kloster,
Wolkenkratzer in Kobe, eine Frau im Kimono, Großstadtgewimmel in Tokio.
Klischees? Natürlich, aber in der Photoausstellung von Philippe
Terrier-Hermann in der Galerie Poller sind es in Paris lebende Japaner, die
diese Orte ausgesucht haben, der Fotograf hat die Motive anschließend in
Japan ins Bild gebannt. Es gab auch ein paar andere Vorschläge, die uns
Europäern wohl nicht eingefallen wären: geografisch genau bestimmte
Landschaften, Bäche, Seen, aber auch Frühlingszweige und sogar ein
Fischladen in Tokio.
Dennoch: Diese Serie mit dem Titel Beautés japonaises ist erstaunlich
konventionell und homogen. Die Japaner in der Fremde erinnern sich nur an
schöne Gegenstände und Gegenden (aber was zeigen wir Frankfurter denn einem
Gast als typisch frankfurterisch?).
Philippe Terrier-Hermann (geboren 1970) hat versucht, die vorgegebenen
Motive in Japan möglichst sachlich zu fotografieren, ohne eigene
Interpretation. Aber auch wenn er Extravaganzen vermeidet, es ist dennoch
sein Arrangement, das auf den Bilden sichtbar wird. Eine Befangenheit
gegenüber den Motivgebern aber ist zu spüren, ihre Vorgaben sollen nicht
verfälscht werden. Entstanden ist jedenfalls eine wunderschöne Serie, die
jedem gefallen kann.
Das Raffinierte der Ausstellung besteht aber darin, dass man sich das Japan
ausdenken kann, das der Fotograf aufgenommen hätte, wenn er auf eigene Faust
neugierig und abenteuerlustig losgezogen wäre, nicht eingeengt durch einen
Auftrag. Es ist leicht vorstellbar, dass Terrier-Hermann ein ganz anderes,
moderneres, kaputteres Japan entdeckt hätte.
Überhaupt liebt Terrier-Hermann in seinen Fotoarbeiten das Vertrackte, das
Doppeldeutige, das nicht auf den ersten Blick Sichtbare. Das demonstriert
auch der zweite Teil der Schau, Teile der Serie Fascination, Porträts
von Männer in Rom. Schöne Männer, die sich lässig in Szene setzten, in Bars,
in eleganten Wohnungen, aber der Glanz gibt sich nicht eindeutig. Man weiß
nie so recht, ist das ein zu Reichtum gekommener Gangster oder ein
Kunstmäzen. Nur ein Bild lässt keine Zweifel aufkommen: Ein Priester sitzt
hinter seinem Schreibtisch, blickt mürrisch und kritisch in die Kamera - ein
Mann mit Machtbewusstsein.
Die Galerie Poller,
Brückenstraße 9-11, ist montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 14
bis 18.30 Uhr sowie samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere
Informationen unter der Rufnummer 624042 und im Internet unter
www.galerie-poller.com
Illustration
Berdarf es eines Japaners, um zu merken, dass das typisch japanisch ist?
Philippe Terrier-Hermann: Beautés japonaises # 88 (2003).
Philippe Terrier-Hermann, # 88, 2003, c-print on aluminium,
edition of 3, 30 x 30 cm + 10 x 30 cm
| Text von
Wilhelm Roth |
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