30.5.2005
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 |  No. 122, page 50  Rhein-Main-Zeitung Kultur 
Provisorische Oasen
Barbara Sophie Nägle in der Galerie Poller
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Da hat sich einer mächtig ins Zeug gelegt. Ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt, den Rasen angelegt - und sich offenbar ein wenig übernommen. Eine mickrige Zypresse vegetiert auf einem winzigen Fleckchen Grün vor sich hin, im Hintergrund ziehen sich mit Mut zur improvisierenden Geste verlegte und mit Klebeband geflickte Kabel über die prächtig-protzig marmorierte Hauswand, und das „Rote Motel" dürfte sich, sollte es bessere Tage jemals gesehen haben, nie und nimmer mehr daran erinnern. Mochte man Barbara Sophie Nägles „Early USA"-Zyklus, ihre Blicke in Hinterhöfe, Gärten, Diner noch beinahe freundlich, ein wenig verträumt gar nennen, so strahlen ihre neuen Fotoarbeiten, die derzeit in der Frankfurter Galerie Poller (Brückenstraße 9-11) zu sehen sind, einen eher morbiden Charme aus.
„Pancake City", so der Titel der aktuellen Serie, das ist die Fortsetzung der vor mehr als fünf Jahren begonnenen Streifzüge durch New Yorker Stadtlandschaften, welche die 1969 in Würzburg geborene Meisterschülerin von Stephen Shore nun in triste, mitunter aufgegeben scheinende Vorortsiedlungen geführt haben. Der Kontext indes, bleibt häufig vage. Im Vergleich zu früheren Arbeiten sind die Ausschnitte enger geworden, konzentriert sich der Blich der Fotografin stärker auf das im Grunde lapidare und gern übersehene Detail.
Das Provisorium hat längst auf Dauer sich schon eingerichtet. Die bescheideneren unter den amerikanischen Träumen, hier kann man sie betrachten im Stadium des Verwelkens. Deprimierend, sollte man meinen. Und in Nägles Kompositionen voller Komik.

 

Text by Christoph Schütte close