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VON TILL FÄHNDERS
Maskierte Superheldinnen stellen sich vor: die undurchschaubare "Exotica"
mit dunklen wallenden Locken, mit schwarzen Lippen und hochgerecktem Kinn,
die herausfordernd herüberblickt. Die verschlafen wirkende "Glory", mit den
hochgezogenen Augenbrauen, "Void", die mit weit geöffnetem Mund vorm
Sternenzelt posiert. Moderne Amazonen in körperbetonten Kampfanzügen mit
futuristischem Waffengürtel, lasziver Hüfthaltung und großen Brüsten.
Fantasiewesen - und echte Frauen. Man muss genau hinsehen, um zu entdecken,
was es mit den Fotos der Düsseldorfer Künstlerin Katlen Hewel auf sich hat.
Kleine Verschiebungen und Unschärfen, ein drittes und viertes Nasenloch, ein
zweidimensionales Dekolletee sind Hinweise. Die merkwürdig blassen Farben
verraten, dass sie bloß Projektionen sind, auf den Körper lebendiger
Modelle. „Die Verzerrungen sind wichtig, weil die Figuren dadurch
dreidimensional werden", sagt Katlen Hewel.
Aus amerikanischen Comics fotografiert sie die Superheldinnen ab und wirft
die Lichtbilder mit einem Diaprojektor auf die nackten Körper ihrer
Freundinnen. Meist müssen sie lange nach der richtigen Pose suchen, um eine
möglichst perfekte Übereinstimmung mildem Dia zu finden. Dabei betrachten
sie sich selbst in einem Spiegel. Dabei entstehen Aufnahmen, die den
Augenblick der größten Harmonie von Modell und Comicfigur festhalten. "Ein
sehr intimer Moment", sagt die Künstlerin, in dem aus normalen Frauen
Superheldinnen werden. "Die Projektion ist wie eine zweite Haut, auch ein
bisschen wie eine Tätowierung."
Katlen Hewel ist Jahrgang 1975, hat an der Kunstakademie Düsseldorf bei
Bernd und Hilla Becher sowie bei Thomas Ruff studiert. Für ihre Technik der
Projektionen benutzte sie zunächst klassische Gemälde, die sie erst in
Details, dann in Gänze auf die Modelle projizierte. Das Plakat zum Film "Spider
Man" brachte sie auf die Idee, ihre eigenen Superheldinnen zu schaffen an
denen sie seit 2002 arbeitet.
Es soll keine erotische Fotografie sein, auch wenn Katlen Hewel einige ihrer
Figuren „schon sexy" findet. Vielmehr versucht sie, das fantastische
Frauenbild aus den Comics, mit den üppigen Brüsten und den perfekten Kurven,
an der Realität zu brechen. ,,Aber ich verfolge keinen politischen oder
frauenrechtlichen Ansatz", sagt sie. Die Verwandlung steht im Vordergrund.
Oft schlüpfen die Modelle so perfekt in die Rolle hinein, dass Realität und
Projektion kaum mehr voneinander zu unterscheiden sind. Welche Linien des
violetten Körpers sind real? Welche Augenfarbe haben die Frauen wirklich? Wo
verbirgt sich unter den dunklen Lippen der richtige Mund? Katlen Hewel will,
„dass die Leute genau gucken" und wenn sie nicht mehr wissen was echt und
was „super" ist, dann hat sie ihr Ziel erreicht.
Illustrations
| Text von
Till Fähnders |
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