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Wer bei dem
Titel "Tokyo Hotel" an den Film "Lost in Translation" denkt, in dem Scarlett
Johansson und Bill Murray das Nobelhotel gar nicht mehr verlassen, weil
ihnen die Stadt Tokio und das japanische Leben so fremd sind, muss beiden
Fotografien von Kerim Aytac umdenken. Sein Hotel ist einfacher, schäbiger,
eine Durchgangsstation, und eines der Bilder zeigt nichts als den Plan des
Fluchtwegs für den Fall, dass ein Feuer ausbricht. "Hotel" steht hier für
das Transitorische, Vorübergehende, Flüchtige, ein Unort, von dem aus man
nach außen geht oder zumindest nach außen schaut. Regentropfen auf dem
Fenster, Lichtpunkte hinter dem Vorhang, das ist noch so etwas wie eine
Verheißung. Draußen sieht man eine verwischte Landschaft oder eine Frau im
Kostüm (von einer Fluggesellschaft?), die hastig einen Rolli hinter sich her
zieht. Im Zimmer selbst ein Fernseher, mal das Bild einer Frau (aus einem
Pornofilm?), mal ein Verkehrsgewirr, oder eine Lampe, die den Raum nicht
erhellen kann. Einmal kommt auch der Fotograf ins Bild, aber nur der
Schattenriss seines Kopfes, in einem Raum (einer Galerie?), wo einige
Gemälde auf der Erde stehen.
Der britisch-türkische Fotograf Kerim Aytac ist 1979 geboren, er hat in
London Film und Fotografie studiert. Unter seinen Serien, meist um die 20
Aufnahmen, immer in Schwarz-Weiß, gibt es auch einen schönen,
konventionelleren Zyklus über das Alltagsleben in der Türkei. Die Galerie
Poller, die "Tokyo Hotel" jetzt in Frankfurt ausstellt, hat diese Serie
gerade auch in ihrer New Yorker Dependance gezeigt. In Frankfurt teilt sich
Poller neuerdings die Räume mit der auf finnische Kunst spezialisierten
Synart Art Gallery, die in ihrer ersten Ausstellung den Zyklus "Turbulent
Landscapes" zeigt - schöne farbige Papierarbeiten von Bo Haglund.
| Text by
Wilhelm Roth |
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